Kaymakci rettet seine Gläubiger und sich selbst, aber nicht die Wahrheit über seine Gemeinde

21.02.10

Warum die Freien Wähler ihm weder glauben noch vertrauen

Der einfältige Imam musste gehen, damit der vielfältige Ünal Kaymakci bleiben kann. Niemand ist erleichterter über den gestrigen Auftritt des Generalsekretärs der schiitischen Hazra Fatima-Gemeinde als seine vielen Gläubiger in Frankfurts Politik, Medien, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften. Und niemand hat diese Erleichterung so treffend auf den Punkt gebracht wie die grüne Vielfalt-Dezernentin Dr. Eskandari-Grünberg, die Kaymakcis Bemühen würdigte, "sich richtig zu positionieren". Denn davor haben bis zuletzt seine Gläubiger gezittert: dass er sich etwa nicht "richtig zu positionieren" verstände.

Nach der Lektüre von Kaymacis achtseitiger Stellungnahme, die er bei der Pressekonferenz vorlegte, ist allerdings mit Sicherheit anzunehmen, dass es an externer Hilfestellung bei der "richtigen" Positionierung im Sinne der "Politischen Korrektheit" nicht gefehlt hat. Zuviel stand auf dem Spiel für seine Gläubiger, die den smarten Sprecher einer fundamentalistischen Außenseitergemeinde beim Hausener Moscheekonflikt zur Lichtgestalt und zum Parademoslem Frankfurts gemacht hatten. Und da auch der Religionskarrierist Kaymakci nur allzu gern weiter im Spiel bleiben möchte, hat er genau das erzählt, was seine Gläubiger hören wollten - allerdings auch noch etwas mehr und selbstverständlich viel weniger, als das, was er und seine Gemeinde wirklich denken und tun.

Da war der nun geschasste Imam Türkyilmaz sehr viel ehrlicher, hatte allerdings nur sehr unzureichend verstanden, wie wenig es bei der Befolgung der "Politischen Korrektheit" auf die Wahrheit, wie sehr es aber auch die "richtige" Positionierung ankommt. Im Gegensatz zu Türkyilmaz ist Kaymakci in Frankfurt aufgewachsen und bestens vertraut mit jenen  Sprachregelungen, die abverlangt werden, will man zu den "richtigen" Kreisen gehören. Dass Kaymakci den Erwartungen seiner Gläubiger nun in der ihm eigenen besonders schwülstigen und besonders unglaubwürdigen Tonlage entsprochen hat, ist zu erwarten gewesen. Aber seine Stellungnahme verrät zwischen den Zeilen manch Interessantes: Offenbar musste die Gemeinde hart bearbeitet werden, um den Rückzug des Imams deshalb zu akzeptieren, damit Kaymakcis Position in der "Stadtgesellschaft" gerettet werden kann.

Weiter ist der Stellungnahme zu entnehmen: Kaymakci betreibt die fundamentalistische, integrationsfeindliche Linie seiner dem iranischen "Gottesstaat" eng verbundenen Gemeinde in der Substanz konsequent, aber in den Formulierungen geschmeidig bis geradezu anbiedernd. Wenn Kaymakci über die Gleichberechtigung von Mann und Frau redete, dann gibt er das erwartete Lippenbekenntnis ab, wendet sich aber zugleich gegen die "Ausgrenzung von Kopftuch tragenden muslimischen Frauen im Berufsleben". Und zum Grundgesetz formuliert der Rechtsanwalt listig: "Weder die Demokratie selbst noch ihre Werte befinden sich im Widerspruch zum Islam." Ob sich allerdings nicht der Islam, jedenfalls derjenige der Hazrat Fatima-Gemeinden, im gewissen Widersprüchen zum Grundgesetz, der Demokratie und ihren Werten befindet, darüber schweigt sich Kaymakci lieber aus.

Besonders lesenswert sind Kaymakcis entlarvende Ausführungen zu "Islamische Bekleidungsvorschriften". Zwar ging der Konflikt um den Imam weder um Grundgesetz, Gleichberechtigung noch Kleidungsvorschriften. Aber Kaymakci will offensichtlich nichts unversucht lassen, um sich weiter seinen Gläubigern als geeigneter Partner für alle Islamfragen zu empfehlen. Die Freien Wähler haben nie zu Kaymakcis naiven oder berechnenden Gläubigern gehört. Seit gestern ist noch klarer, warum das die absolut richtige Entscheidung war. Ünal Kaymakci verdient kein Vertrauen, wir glauben ihm kein Wort.

PRESSEMITTEILUNG 18/2010

Frankfurt/Main, 21. Februar 2010