24.01.10
Das überkonfessionelle Hilfswerk "Open Doors" spricht von "der größten Christenverfolgung aller Zeiten", in Ägypten werden christliche Kopten ermordet, aus dem Irak fliehen Christen in Scharen, in Malaysia werden Brandsätze gegen christliche Kirchen geworfen, in Indien mehren sich Gewalttaten gegen Christen, in China sehen sich christliche Gläubige in den Untergrund gedrängt. Niemand muss selbst aktiver oder überhaupt Christ sein, um sich gegen diesen zunehmenden Terror gegen die Religion, die unsere deutsch-europäische Geschichte und Kultur zutiefst bestimmt hat und noch immer mitbestimmt, zu empören. Dazu darf von nun an nicht länger mehr oder weniger verlegen geschwiegen werden.
Gerade in der international geprägten Stadt Frankfurt am Main, in der Menschen vieler Religionen, Glaubensrichtungen und Atheisten zusammenleben, ist es an der Zeit, ein deutliches Signal gegen die Christenverfolgungen in aller Welt zu geben. Niemand wäre dazu berufener als der im vergangenen Jahr gegründete "Rat der Religionen", dem Christen, Moslems, Juden, Buddhisten, Hinduisten, Sikhs und Bahais angehören. Doch dieser "Rat" schweigt beharrlich. Aus welchen Gründen er schweigt, ist unbekannt, doch dass er schweigt, ist eine Tatsache - und unerträglich dazu.
Die letzte Stellungnahme des "Rats der Religionen" vom 20. Oktober 2009 setzt sich kritisch mit den Äußerungen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin auseinander, eine neuere Stellungnahme ist von dem "Rat" nicht bekannt, wohl aber eine gemeinsame Erklärung am 3. November 2009 anlässlich der Eröffnung der "Interkulturellen Wochen 2009". Darin heißt es: "Der Rat lehnt jede Form von Diskriminierung, Fanatismus und Gewalt ab, insbesondere gegen eine Religion, aber auch im Namen einer Religion." Wer solche Erklärungen abgibt, darf und kann nicht schweigen zu Unrecht und Gewalt, von denen Christen in vielen Ländern betroffen sind.
Das mögliche Argument, der "Rat" wolle oder solle sich auf Frankfurter Probleme beschränken, hat er selbst mit seinen bisherigen öffentlich und im Internet verbreiteten Stellungnahmen widerlegt: Sowohl die Stellungnahme zum Fall Sarrazin wie auch diejenige zur Vergabe des Hessischen Kulturpreises beziehen sich auf Vorgänge, die mit Frankfurt unmittelbar wenig bis gar nichts zu tun haben. Und im Gegensatz zu den genannten Meinungskonflikten in einer lebendigen Demokratie geht es bei der weltweiten Christenverfolgung um Leben, Gesundheit und Heimatrecht von Menschen.
Der derzeitige Vorsitzende des "Rats der Religionen", der griechisch-orthodoxe Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos, hat im Dezember auf einer öffentlichen CDU-Veranstaltung in skandalöser Weise aktiv bekennende evangelikale Christen als "christliche Taliban" diffamiert. Seitens der CDU-Veranstalter blieb diese Hetze leider unwidersprochen und ungerügt. Pfarrer Ziliaskopulos und der "Rat" sind bei bestimmten Themen überhaupt nicht schweigsam. Sollte der "Rat der Religionen" allerdings nicht sehr schnell zu einer klaren und lauten Sprache angesichts Mord und Gewalt gegen und Vertreibung von Christen finden, braucht Frankfurt einen "Rat", der sich moralisch mit weiterem Schweigen endgültig disqualifizieren würde, ganz gewiss nicht.
PRESSEMITTEILUNG 6/2010
Frankfurt/Main, 24. Januar 2010
Zu dieser Nachricht einen Kommentar an die Freien Wähler schicken