Frankfurt freut sich: Die "Rotationseuropäer" lieben unsere Stadt und unsere Wohnungen!

03.12.09

Endlich Migranten, die sich sofort häuslich integrieren

Neuerdings ergibt sich bei Gesprächen zwischen Frankfurtern, die sich auf der Straße treffen oder in raucherfreien Kneipen zusammen sitzen, immer wieder folgender Dialog: "Na, hatten Sie (hattest Du) auch schon mal Besuch von den netten kleinen `Rotationseuropäern´?" Worauf der oder die Angesprochene in der Regel irritiert die Gegenfrage stellt: "Was, um Himmelswillen, soll denn das für eine Nationalität sein -  ,Rotationseuropäer'?" Diese Reaktion beweist allerdings nur eine fast schon unverzeihliche Unkenntnis der dem multikulturellen Frankfurt so eigenen Vielfalt (Diversität) und verkennt zugleich völlig den sprachlichen Einfallsreichtum, den die segensreiche ,Politische Korrektheit' in Land und Stadt uns schenkt.

"Rotationseuropäer" sind nämlich nichts anderes als meist kindliche und jugendliche Menschen eher südländischer Prägung, die immer öfter Frankfurter Wohnungen einen Kurzbesuch abstatten. Zwar kommt es bei diesen Besuchen nur bedauerlich selten zu echten völkerverbindenden Kontakten zwischen den Frankfurter Wohnungsinhabern oder Mietern mit ihren flinken Besuchern. Das liegt aber an einer kulturellen Differenz, die im neuen Integrationskonzept noch näherer Betrachtung bedürfte: Die Besucher melden sich nicht an, weil das in ihren Heimatgefilden offenbar nicht zu den besonders gepflegten Bräuchen zählt. Die einheimischen Frankfurter sollten allerdings auch dieser kulturellen Besonderheit gegenüber mehr Verständnis üben nach dem Motto: Alles verstehen heißt alles verzeihen.

Zu verzeihen gibt es ja auch fast immer etwas für die Gastgeber. Denn die von Wohlstandsprodukten überfüllten Wohnungen sind nach jeder dieser Kontaktaufnahmen  von "Rotationseuropäern" etwas leerer. Das allerdings als unwillkommen oder gar als kriminelle Handlung zu betrachten, ist weder fremdenfreundlich noch weitsichtig. Ist es nicht vielmehr so, dass diese Besucher in vorbildlich krisenbekämpfender Weise dafür Sorge tragen, das so arg geschwächte deutsche Bruttosozialprodukt wieder anwachsen zu lassen und Arbeitsplätze zu sichern? Denn ist die Digitalkamera weg - kauf Dir bei Saturn-Hansa eine neue! Ist der Schmuck verschwunden - beim Juwelier in der Goethestraße ist genug im Schaufenster! Und wenn  es plötzlich an Bargeld fehlt - im Bankautomaten um die Ecke gibt es immer bunte Scheine! Wo, bitte, ist das Problem?

Jetzt in der Weihnachtszeit sollten Frankfurter im Verhältnis zu "Rotationseuropäern" endlich auch die Vorteile einer neuen Kultur des unvereinbarten Teilens entdecken. Keine langen Gespräche, kein Feilschen, keine Streiterei, sondern: Kommen, Holen, Gehen. Nur wer diese unverkennbaren Vorteile von Vielfalt (Diversität) richtig erkennt, verzichtet auch darauf, fürderhin mit ohnehin erfolglosen Strafanzeigen gegen die angenehm geräuschlosen Besucher höchst einfältig den Polizeibetrieb lahm zu legen.

Gerade die Bewohner des Standorts der Europäischen Zentralbank sollten in den sich mehrenden Kontakten mit den netten kleinen "Rotationseuropäern" sich als vorbildliche, auch im häuslichen Bereich allzeit integrationsbereite Deutsche erweisen und künftig Haus- und Wohnungstüren nicht länger in versteckt fremdenfeindlicher Manier verschließen. Das weltoffene Frankfurt ist stolz auf seine Toleranz! Und sowas verpflichtet schließlich, oder?!....

PRESSEMITTEILUNG 82/2009

Frankfurt/Main, 3. Dezember 2009